© Copyright World Air News Last Update 04.01.2004
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TELLAIR |
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Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem spektakulären Konkurs der in Basel ansässigen Charterfluggesell- schaft Globe Air wurde am 18. März 1968 in Bern die neugegründete Tellair ins Handelsregister eingetragen. Wie die Interessen der neuen Gesellschaft gelagert waren, widerspiegelt sich in der Verteilung des Aktienkapitals in der Höhe von CHF 360'000.--. Fünfzig Prozent waren in Berner Besitz, das heisst in den Händen des Kantons, der Kantonalbank, der Einwohnergemeinde Interlaken, der Jungfraubahn, der Wengeneralpbahn, des Verkehrsvereins Interlaken sowie des heute noch existierenden Reise- und Transportunternehmens Marti in Kallnach; mit einem Sechstel partizipierten der Kanton Wallis, die Municipalité de Sion und der Walliser Verkehrsverband, während das verbliebene Drittel bei der British Eagle International Airline lag, welche auch den Direktor, Captain John Mickie, stellte und zusätzlich mit ihrem Berater Thomas Keane im Verwaltungsrat vertreten war. Ein Hauptziel der Tellair war, den Ausfall des Charterkettenverkehrs zwischen England und Interlaken zu kompensieren, welcher nach dem Ende der Globe Air entstanden war. Ausserdem sollten Touristenflüge ab Interlaken nach Destinationen in Skandinavien und Deutschland aufgebaut werden. Ein weiterer Plan bestand in der Eröffnung einer zweimal wöchentlichen Linie zwischen Bern-Belpmoos und London. Als Starttermin für die Eröffnung dieser Flugoperationen wurde das Frühjahr 1969 genannt. Noch bevor allerdings der Betrieb aufgenommen werden konnte, musste die Partnergesellschaft British Eagle anfangs November 1968 aus finanziellen Gründen den Betrieb einstellen und ihren Bankrott erklären. Trotz diesen Problemen blieb man in Bern optimistisch und begann mit der Suche von Direktionsmitgliedern, Flugzeugbesatzungen und Mechanikern. Letztere wurden benötigt, weil man in Bern und Basel-Mulhouse einen eigenen technischen Dienst aufbauen wollte. Zudem ging die Suche nach Geldgebern weiter, waren doch bis Ende 1968 statt den erwarteten drei bis fünf Millionen Schweizerfranken immer noch nur die CHF 360'000.-- aus der Gründungsversammlung einbezahlt. Ende 1969 konnte mit der Caledonian Airways ein Ersatzpartner auf der operationellen Seite gefunden werden und endlich auch zwei Flugzeuge, je eine Convair 340/440 „Metropolitan“ und Bristol 175 „Britannia 324“ konnten erworben werden. Während die „Metropolitan“ Touristen nach Bern, Interlaken und Sion fliegen sollte, plante man den Einsatz der „Britannia“ auf Flügen mit ferienhungrigen Schweizern ab den Flughäfen Basel-Mulhouse, Genf und Zürich. Mit verschiedenen in- und ausländischen Reiseveranstalter konnten noch vor der Betriebsaufnahme Verträge im Wert von über fünf Millionen Schweizerfranken abgeschlossen werden, so beispielsweise für Flüge ab Zürich und Basel-Mulhouse nach Djerba, Faro, Funchal, Istanbul, Las Palmas, Mombasa, Palma, Rhodos, Tanger und Tunis. Als erste Maschine traf am 11. März 1969 die von Lufthansa erworbene Convair 340/440 „Metropolitan“ in Basel-Mulhouse ein, während die aus Liquidationsbeständen der British Eagle stammende Bristol 175 „Britannia 324“ nach einer Grundüberholung bei Airline Engineering Ltd. In Luton erst am 25. März in Basel-Mulhouse ankam. Schon am 02. Mai 1969 traf eine zweite Bristol 175 „Britannia 324“ in Basel-Mulhouse ein, welche ebenfalls aus finanziellen und betrieblichen Gründen in Grossbritannien immatrikuliert blieb und mit Caledonian Airways-Cockpitbesatzungen betrieben wurde. Optimistisch wurden auch mit British Aircraft Corporation und Fokker Gespräche über den Kauf einiger BAC-1-11, respektive Fokker F. 28 „Fellowship“ geführt, welche ab Sommer 1971 eingesetzt werden sollten. Im Laufe des Spätsommers 1969 teilte das Schweizerische Luftamt der Tellair mit, dass für eine Verlängerung der bisher nur provisorischen Betriebsgenehmigung eine Erhöhung des Aktienkapitals sowie der Kauf der beiden gemieteten „Britannias“ unumgänglich sei. Für die Immatrikulation der beiden Maschinen in der Schweiz (Die Behörden reservierten die Kennzeichen HB-ITF und HB-ITG), müsste allerdings auch die Besitzmehrheit der Fluggesellschaft aus der Schweiz stammen. Trotz einer intensiven Suche nach neuen Geldgebern in der schweizerischen Wirtschaftswelt konnten die behördlichen Bedingungen nicht erfüllt werden, so dass die Tellair am 31. Oktober nach nur einer Sommersaison den Flugbetrieb wieder einstellen musste. Fehlerhafte Kalkulationen, der Konkurs der British Eagle, die Bedingungen des Schweizerischen Luftfahrtsgesetzes und schlussendlich auch noch die kurzzeitige Beschlagnahmung einer der beiden „Britannias“ in Mombasa führten zum Untergang der Charterfluggesellschaft. Innerhalb sechs Monaten wurden etwas über 150 Flüge durchgeführt, dies zu Preisen, welche oft nicht einmal die Selbstkosten deckten. Eine Parallele zur Globe Air war also auch hier vorhanden. Traurig war auch, dass dabei sogar dieselben Reiseorganisationen von den Billigpreisen der Tellair profitierten, welche nur kurze Zeit zuvor auch die Globe Air in den Ruin trieben. Interessant ist auch, dass dreissig Jahre später ähnliche Preiskämpfe innerhalb der Reisebranche zum unumgänglichen Ende des Charter- und Ferienflugbetriebs der renomierten TEA Switzerland führten..... Im November 1969 stellte die Tellair ein Gesuch um Nachlasstundung, welches allerdings durch die Gläubiger abgelehnt wurde. Im Februar 1970 entschied sich das Berner Obergericht doch noch für einen Nachlass- vertrag, doch musste Ende August 1970 trotzdem der Konkurs angemeldet werden. Zurück blieb ein Schuldenberg von vier bis fünf Millionen Schweizerfranken und praktisch keinerlei Aktiven. Die beiden von Caledonian Airways gemieteten Bristol 175 „Britannia 324“ wurden von ihrem Besitzer zurückgenommen und die auf Raten erworbene Convair 340/440 „Metropolitan“ konnte an Lufthansa zurückgegeben werden, wobei diese grosszügigerweise einen gewissen Restbetrag zurück erstattete. Ersatzteile und technische Geräte wurden billig veräussert, ohne das dabei ein nennenswerter Gewinn resultierte.
Flotte:
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