© Copyright World Air News Last Update 17.01.2004
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GLOBE AIR |
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In den Jahren
1956 bis 1959 gab es auf dem Flughafen Basel-Mulhouse einen Charterboom.
Dieser fand nicht nur in den Statistiken seinen Niederschlag, sondern
weckte auch das Interesse privater Geschäftsleute. So kam es,
dass bereits am 9. März 1957 die Globe Air gegründet und in das baselstädtische
Handelsregister eingetragen wurde. Dem damaligen Verwaltungsrat stand der
Advokat Dr. Theodor Moll vor, während der flugbegeisterte Kaufmann Peter
G. Staechelin bedeutende finanzielle Mittel in die neue Gesellschaft
einbrachte. Als leitende Mitglieder nahmen ausserdem Karl Rüdin
(Direktor) und Friedrich Leuenberger (Vizepräsident) im Verwaltungsrat
einsitz. Laut ihren
eigenen Angaben, sollte die Globe Air von einer Gruppe unabhängiger
flugbegeisterten Privatpersonen geleitet werden. Sie sollte an keine
politische und wirtschaftliche Macht gebunden sein und im Rahmen der
Gesetze und Vorschriften frei ab ihrem Heimatflughafen Basel-Mulhouse
operieren dürfen. Die Dauer der Gesellschaft sei zudem unbegrenzt... Als Ziel gab
die Globe Air ganz einfach an, dass sie fliegen und das Reisen dem
„kleinen Mann“ möglich machen sollte. Diese Grundsätze der Globe Air
brachten den grossen internationalen Luftverkehr tatsächlich auch an das
Volk und für den Basler Flughafen war das Unternehmen sein sehr grosser
Gewinn. Im Juni 1960
wurde das Aktienkapital auf CHF 410'000,-- erhöht und das Unternehmen
langsam aber sicher startklar gemacht. Bis zur Erteilung der
Betriebbewilligung durch das Eidgenössische Luftamt am 18. Januar 1961
wurde eine Betriebsorganisation auf die Beine gestellt, welche nicht nur
den Vorschriften der Gesetzgebung genügte, sondern auch die Grundlage für
das wirtschaftliche Gedeihen der Gesellschaft sein sollte. Ein weiterer
wichtiger Faktor war die Wahl des „richtigen“ Flugzeugtyps. Die
Anforderungen waren sehr hoch und vielfältig, den die Maschine musste
beispielsweise günstige Betriebskosten aufweisen, mit der Grösse und
Leistung der Nachfrage entsprechen, zuverlässig und leicht zu warten sein
und nicht zuletzt auch einen günstigen Anschaffungspreis haben. Ausserdem
sollte sie einen neuzeitlichen Passagierkomfort aufweisen und bezüglich
der Reisegeschwindigkeit sich von den bei der Konkurrenz fliegenden
Maschinen abheben. Nach Abwägen
all dieser und anderer Elemente fiel die Wahl schlussendlich auf die
Airspeed AS. 57 „Ambassador“. Das erste Flugzeug. Das am 7. November
1960 in Basel-Mulhouse eintraf erhielt das Kennzeichen HB-IEK. Bereits am
27. Mai 1961 konnte die zweite „Ambassador“, die HB-IEL übernommen
werden, und 1962 gesellte sich eine dritte, die HB-IEM, dazu. Diese drei
Maschinen wurden auf die Namen „Vogel Gryff“, „Wilde Ma“ und „Lällekeenig“
getauft. Bald wurde man sich bei der Globe Air allerdings bewusst, dass
die „Ambassador“, deren Produktion schon seit langen eingestellt
worden war, durch moderne Flugzeug ersetzt werden musste. So verzichte man
bereits frühzeitig auf den für 1963 geplanten Kauf einer vierten „Ambassador“
und führte eine eingehende Prüfung aller sich auf dem Markt befindlichen
Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge durch. Zur Wahl standen die Fokker F. 27
„Friendship“, die Hawker-Siddeley HS-748 sowie die Handley Page HPR. 7
„Dart Herald“, alles Turbopropflugzeuge der neuesten Generation. Die
kurzen Lieferfristen und die Möglichkeit, alle drei Airspeed AS. 57 „Ambassador“
an Zahlung zu geben, entscheiden zu Gunsten der „Dart Herald“, von der
gleich vier Einheiten bestellt wurden. Ab 1963 konnte die „Dart
Heralds“ nach und nach in Betrieb genommen werden. Die erste wurde am 4.
Mai 1963 abgeliefert, was der Globe Air gestattete, die bevorstehende
Hochsaison mit vier Maschinen zu bestreiten. Bereits Ende 1963 wurde die
letzte „Ambassador“ ausser Dienst gestellt und der britischen Autair
International übergeben. Die von zwei
Rolls Royce Dart 527-Propellertrubinen angetriebenen „Dart Herald“
erwiesen sich als äusserst wirtschaftlich. Dank den guten Kurzstart- und
landeeigenschaften konnten nun auch kleinere Flugplätze wie
Bern-Belpmoos, Interlaken, Lugano-Agno, Samedan oder Sion angeflogen
werden, was der Globe Air ermöglichte, ihre ausländischen Fluggäste
direkt in die Fremdenverkehrszentren des Berner Oberlandes und das Wallis
zu fliegen. Die Maschinen schienen ebenfalls geeignet, die von der
Swissair im Frühjahr 1964 aufgegebene Inlandstrecken zu befliegen. So
stellte die Globe Air im April 1964 ein Konzessionsgesuch zur Durchführung
von Inlandflügen zwischen Basel, Bern, Genève und Zürich. Da sich die
Berner Alpar als eventuelle Nachfolgegesellschaft vorzeitig zurückzog,
schienen die Bemühungen er Globe Air erfolgreich zu verlaufen. Dies änderte
sich allerdings, als im
Oktober 1964 die Swissair sich wiederum bereit erklärte, zusammen mit von
Balair betriebenen Fokker F. 27 „Friendship“ auf eigenes Risiko ein
Inlandstreckennetz aufzubauen. Zwischen der Balair und der Globe Air
entspann ein Kampf um diese Konzession, aus dem die Balair mit Hilfe der
übermächtigen Swissair als
Sieger hervorging. Diese übernahm schlussendlich nicht nur die Flüge,
sondern auch in unverschämterweise den von Globe Air ausgearbeiteten und
eingereichten Flugplan. Bis Ende 1971 wurde dieses Inlandnetz noch
aufrechterhalten und anschliessend ersatzlos wieder eingestellt. Trotzdem
bewegte sich die Erfolgskurve der Globe Air steil nach oben. Das
Streckennetz umfasste 1964 bereits 83 Flugziele in 32 Ländern.
Zwischenzeitlich erhöhte die Globe Air ihr Aktienkapital auf vier
Millionen Schweizerfranken, was auch die Expansion in das
Langstreckengeschäft und den Kauf von zwei Bristol 175 „Britannia
313“ ermöglichte. Am 2. April 1964 traf der erste dieser „flüsternden
Riesen“ in Basel-Mulhouse ein und wurde umgehend auf Langstreckenflügen
nach Südafrika und Japan eingesetzt. Im folgenden Jahr, am 8. März 1965
wurde die zweite „Britannia“ übernommen, so dass die Globe Air nun
zusammen mit den drei „Dart Herald“ über fünf Flugzeuge verfügte. Es hatte sich
nun aber gezeigt, dass die finanzielle Basis der Gesellschaft weiter
ausgebaut werden musste. Deshalb war bereits am 11. Dezember 1964 nochmals
eine Kapitalaufstockung von vier auf sieben Millionen Schweizerfranken
erfolgt. Zur breiten Streuung gab die Globe Air erstmals Aktien im
Nennwert von nur 200 Schweizerfranken aus. Zudem gestand sie allen
Neuaktionären erhebliche Flugvergünstigungen auf Ferienarrangement mit
Globe Air-Flügen zu. 1965 wurde das Kapital nochmals um eine Million
Schweizerfranken und bereits ein Jahr später um weitere drei Millionen
Schweizerfranken erhöht, diesmal in Form einer Wandelanleihe. Trotz den
beachtlichen Flugleistungen ent- wickelte sich die finanzielle Situation
der Globe Air schlecht. An einer ausserordentlichen Generalversammlung am
16. Dezember 1966 wurde deshalb der Beschluss gefasst, das Aktienkapital
um weitere 2,5 Millionen auf 13.5 Millionen Schweizerfranken auszustocken,
dies obwohl sich der Verlust des Unternehmens damals bereits 15,7
Millionen Schweizerfranken belief. Das neue Geld wurde hauptsächlich
darum in die Globe Air gesteckt, weil man die Einführung der ersten Jets
vorbereiten wollte. Im siebten
Jahr ihrer Tätigkeit wurde die Globe Air von einer Katastrophe getroffen.
Am 19. April 1967 befand sich die Bristol 175 „Britannia“ HB-ITB mit
120 Passagieren und zehn Besatzungsmitgliedern auf dem Rückflug von
Bangkok via Colombo, Bombay und Kairo nach Basel-Mulhouse. Wegen
schlechten Wetters in Kairo entschied sich die Besatzung nach Nikosia auf
Zypern auszuweichen, obwohl dort die Wetterverhältnisse auch nicht gut
waren. Ein erster Landeanflug war zu hoch angesetzt, beim zweiten berührte
die Maschine in der letzten Volte mit dem kurveninneren Flügel eine Hügelkuppe
und stürzte ab. Nur vier der 130 Insassen überlebten. Auch die beiden
Piloten befanden sich unter den Opfern. Innerhalb 24
Stunden nach dem Absturz fielen die Aktien der Globe Air so stark, dass
die Basler Börse den Handel mit diesen Papieren vorübergehend
einstellte. Waren schon vor dem Absturz in der linken Presse Vorwürfe
gegen die Globe Air und deren Management laut geworden, so setzte jetzt
eine eigentliche Medienkampagne gegen das Unternehmen ein, das noch bis
vor kurzem in der Gunst des Publikums ganz oben gestanden hatte. Nachdem
eine Strafuntersuchung eingeleitet worden war, wurde der Ruf der
Gesellschaft durch eine überhastet einberufene Medienkonferenz weiter
geschädigt, das dies eine Vorverurteilung der Verantwortlichen gleichkam.
In der Folge wurden der Globe Air in Deutschland die Landerechte entzogen,
die Versicherungsgesellschaften weigerten sich auch, die
Kaskoversicherungssumme von 3,37 Millionen Schweizerfranken auszubezahlen,
bevor alle Umstände, die zum Absturz der Maschine geführt hatten, abgeklärt
waren. Nach dem
Absturz der „Britannia“ verlor Globe Air auf einen Schlag 40 Prozent
ihrer Transportkapazität. Um das mit den Reiseveranstaltern
abgeschlossene Sommerflugprogramm dennoch durchführen zu können, musste
sie teure Zusatzkapazitäten bei fremden Fluggesellschaften einmieten.
Nicht mehr zu finanzieren waren auch die Ausbildungskurse für die
vorgesehenen Jet-Besatzungen, dies obwohl eine für die Globe Air
vorgesehene ex BOAC DeHavilland DH. 106 „Comet 4“ bereits mehr oder
weniger einsatzbereit auf dem Flughafen Basel-Mulhouse stand. Nach und
nach brachen die wichtigsten Geschäftspartner die Beziehungen zu Globe
Air ab, wodurch dem Unternehmen innert kurzer Zeit weitere
Millionenverluste entstanden. Die Geschäftsleitung
beschloss deshalb, den Betrieb nicht mehr weiterzuführen. Den
allerletzten Flug führte Globe Air mit der Bristol 175 „Britannia“
HB-ITC am 4. Oktober 1967 von London-Luton nach Basel-Mulhouse aus. Am 19.
Oktober 1967 wurde die Bilanz beim Zivilgericht Basel-Stadt hinterlegt und
die Konkurseröffnung beantragt. Gegen die Direktion und Verwaltung wurde
Anzeige wegen betrügerischen Bankrotts erstattet.
Zwar wurden
im Konkursverfahren Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe
angemeldet, doch belief sich der Verlust letztlich nur auf 7.5 Millionen
Schweizerfranken. Das es schlussendlich möglich war, einen Vergleich
zustande zu bringen, womit der Hauptharst der 5.-Klassgläubiger
wenigstens noch 11,5 Prozent ihrer Forderungen ausbezahlt erhielt, ist der
grosszügigen Haltung von Peter G. Staechelin zu verdanken. Hatte er sich
schon vor dem Konkurs mit grossen finanziellen Opfern um die Rettung der
Gesellschaft bemüht, so war er setzt bereit, weitere erheblich Mittel
einzusetzen, um die Verluste der Globe Air teilweise zu decken. Er bot
seiner Heimatstadt Basel aus der Staechelinschen Familiensammlung die
beiden Picasso-Gemälde „Les deux frères“ und Arlequin assis“ für
8.4 Millionen Schweizerfranken zum Kauf an und schlug damit höhere
Kaufangebote aus dem Ausland aus. Der Grosse
Rat bewilligte am 12. Oktober 1967 einen Kredit von 6 Millionen
Schweizerfranken, der Rest musste von privater Seite aufgebracht werden.
Da ein Referendum zu stand kam, musste eine Volksabstimmung durchgeführt
werden. Die Basler und Baslerinnen vom Picasso-Fieber gepackt, das in
einem eigens für den Ankauf der Gemälde organisierten „Bettlerfest“
gipfelte. Innert weniger Wochen konnten die 2,4 Millionen Schweizerfranken
zusammengebracht werden, die durch Kredite noch nicht gedeckt waren. Am
17. Dezember 1967 kam es zu der weltweit beachteten Abstimmung, bei der
eine klare Mehrheit sich für den Ankauf der Bilder aussprach. Für das
Basler Kunstmuseum, welches die erwähnten Gemälde zwar schon im
Depositum hatte, war dieser Entscheid ein wahrer Glücksfall. Das aus
heutiger Sicht fast märchenhafte Kunstengagement wurde durch eine
einzigartige Geste Pablo Picassos noch zusätzlich belohnt; drei Tage nach
der Abstimmung schenkte er, erfreut über das Ergebnis, der Stadt Basel
vier Bilder, darunter die 1967 entstandenen Werke „Vénus et l’armour“
und „Le couple“. Damit allerdings nicht genug; die Basler Kunstmäzenin
Maja Sacher stiftete dem Kunstmuseum aus ihrer Sammlung noch das 1912
entstandene Werk „Le Poète“.
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